Wasserstoff: Was macht er mit deinem Strom?
Wasserstoff im Strommix? Erfahr, wie aus Strom Wasserstoff entsteht und vice versa – und ob du bald Wasserstoff aus der Steckdose bekommst.
Wasserstoff ist ein flexibler Energieträger und ein Allround-Talent– nutzbar für Industrie, Verkehr, Wärme und auch zur Stromerzeugung. Grüner Wasserstoff gilt als möglicher Baustein für die Energieversorgung von morgen. Denn: Damit lässt sich überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien speichern und dann verfügbar machen, wenn Wind und Sonne gerade Pause machen. Wir erklären, was das für deinen Strom heißt und warum Wasserstoff die Stromversorgung auf das nächste Level hebt.
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So wird Wasserstoff hergestellt.
Um Wasserstoff herzustellen, gibt es verschiedene Verfahren, die ihn aus chemischen Verbindungen wie Wasser oder Erdgas herauslösen. Denn obwohl Wasserstoff (H₂) das kleinste und häufigste Element im Universum ist und etwa 75 % der gesamten Materie ausmacht, kommt er auf der Erde fast ausschließlich gebunden vor, wie zum Beispiel in Wasser (H₂O). Um Wasserstoff als Energieträger nutzen zu können, muss er aus diesen Verbindungen befreit werden. Und das geht auf verschiedenste Arten: Je nach Energieaufwand und eingesetztem Ausgangsstoff unterscheiden sich die Methoden deutlich voneinander.
Der entscheidende Faktor bei der Wasserstoffproduktion? Der Strom, der dabei eingesetzt wird. Denn wie Wasserstoff hergestellt wird, entscheidet, welche „Farbe“ er bekommt und damit auch, wie er einzuordnen ist.
Die bunte Welt des Wasserstoffs: Das bedeuten die Farben.
Die verschiedenen „Farben“ des Wasserstoffs sind ein wichtiger Indikator für seine Klimawirkung und die damit verbundenen strategischen Entscheidungen in der Energiewende.

Übrigens...
... Schon Jules Verne hat sich 1870 mit dem Thema befasst und dazu geschrieben: „Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers – Wasserstoff und Sauerstoff – werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern.“ Wer hätte gedacht, dass seine Worte auch heute noch so gut passen – mehr als 150 Jahre später! Crazy, oder?!
Warum grüner Wasserstoff zählt.
Grüner Wasserstoff entsteht mit Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind. Somit entsteht er ohne fossile Verbrennung im Prozess und ist ein echter Klimaheld!
Die Technik dahinter heißt Power-to-Gas. Klingt abgefahren? Ist es auch, später dazu mehr. Kurz gesagt: Mit der Power-to-Gas-Technik wird Ökostrom per Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt. Dieser kann dann in der Industrie, im Verkehr oder als Stromspeicher eingesetzt werden.

Nur grüner Wasserstoff kommt ganz ohne fossile Brennstoffe aus. Blauen und türkisfarbenen Wasserstoff hörst du dennoch häufig im Gespräch: als Übergangslösung, bis die Produktion aus erneuerbaren Energien weiter ausgebaut ist. Denn aktuell reicht grüner Wasserstoff allein nicht aus, um den steigenden Energiebedarf zu decken. Zudem ist die Herstellung ziemlich teuer. Wenn die Preise steigen, wird es für manche Industriebranchen richtig eng. Aktuell wird daher viel argumentiert: Es braucht Alternativen und schnelle Lösungen. Und da sind blauer und türkiser Wasserstoff immer noch mit im Spiel.
Klar ist aber auch: Blauer Wasserstoff ist lediglich eine Zwischenlösung. Denn egal wie man es dreht und wendet – auf Dauer zählt nur eins: Wasserstoff muss grün und ohne fossile Verbrennung im Prozess erzeugt sein. Nach dem Motto „Shipping the sunshine“ lässt sich Wasserstoff dort herstellen, wo Wind, Sonne und Wasser im Überfluss da sind – von dort aus geht es weiter in die Welt. Grüner Wasserstoff hilft vor allem energiehungrigen Branchen wie der Stahl- oder Chemieindustrie beim Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Er bringt also nicht nur frischen Wind in die Wirtschaft, sondern schiebt auch die Energiewende an.
Wie Wasserstoff zu Strom wird.
Wasserstoff wird zu Strom, indem er rückverstromt wird. Dieser Vorgang nennt sich Rückverstromung. Zuvor wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff umgewandelt. Das Ganze nennt sich „Power-to-Gas“.
Wir bekommen immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Das Ziel: Bis 2030 sollen Wind, Sonne, Wasser und Co. mindestens 80 % von unserem Stromverbrauch wuppen. Aber: Wind pustet und Sonne scheint nicht immer dann, wenn wir gerade Energie brauchen, sondern dann, wenn das Wetter gerade Bock hat. Damit wir den Strom bestmöglich nutzen können, kommt Wasserstoff ins Spiel: als flexibler Energieträger zwischen Angebot und Nachfrage.
Der Wirkungsgrad in der gesamten Kette ist allerdings relativ niedrig. Darum gilt: Der direkte Verbrauch von Ökostrom aus erneuerbaren Energien ist immer besser. Aber Wasserstoff macht unser Stromsystem robuster und ist die perfekte Ergänzung im Strommix.
Power-to-Gas: Aus Strom wird Wasserstoff erzeugt.
Bei Power-to-Gas wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Der Vorteil: Wasserstoff lässt sich als Gas besser speichern, anders als elektrischer Strom, und kann später für verschiedene Zwecke verwendet werden.
Der Clou: Die Elektrolyse findet in spezialisierten Anlagen statt, sogenannten Wasserstoff-Elektrolyseuren. Diese stehen meist in der Nähe von Wind- oder Solaranlagen oder Industrieparks. Das macht Wasserstoff zum Bindeglied zwischen Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch. Die Umwandlung läuft in drei Schritten ab:
Strom wird aus erneuerbaren Energien wie Windenergie oder Sonne produziert.
Der Strom wird genutzt, um Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂) aufzuspalten. Dieser Vorgang heißt Elektrolyse und findet in einem sogenannten Elektrolyseur statt. Dabei werden zwei Elektroden in Wasser eingetaucht und elektrischer Strom durch das Wasser geleitet.
Wasserstoff dient als Energiespeicher und kann später zurück in Strom umgewandelt werden.
Rückverstromung: Wasserstoff wird wieder zu Strom.
Bei der Rückverstromung wird gespeicherter Wasserstoff wieder zurück in elektrische Energie verwandelt – also in Strom. Dafür gibt es zwei Wege: über bestehende und neue Gaskraftwerke oder Brennstoffzellen.
Gaskraftwerke.
Moderne Gas- und Dampf-Kraftwerke sind heute „H₂-ready“ und können Wasserstoff nutzen – entweder gemischt mit Erdgas oder sogar zu 100 %. Bestehende Kraftwerke lassen sich einfach umrüsten. Das Beste: Schon heute laufen Pilotprojekte mit 30 bis 50 % Wasserstoffanteil. Das Ziel: Kraftwerke, die jederzeit komplett auf Wasserstoff umschalten können. Sie sind schnell regelbar und ideal für Spitzenlasten. Ein Beispiel dafür sind die wasserstofffähigen Gaskraftwerke der EnBW in Altbach/Deizisau. Und auch Hersteller wie Siemens Energy und GE entwickeln bereits Turbinen für reinen Wasserstoff.Brennstoffzellen.
Nein, in einer Brennstoffzelle wird Wasserstoff nicht wirklich verbrannt: Er wird elektrochemisch mit Sauerstoff zu Wasser kombiniert. Bei diesem Prozess entstehen Strom, Wärme und als einziges „Abgas“ Wasserdampf. Brennstoffzellen für die Rückverstromung von Wasserstoff sind besonders effizient, leise und eignen sich gut für dezentrale Anwendungen wie Quartiere oder Notstromversorgung. Der Nachteil: Brennstoffzellen sind aktuell noch teuer und technisch aufwendig. Deshalb sind sie vor allem als Ergänzung zu Kraftwerken geplant, etwa in großen Gebäuden oder im Verkehr.

Der Wirkungsgrad hat noch Luft nach oben.
Aber aufgepasst: Viel Energie bleibt auf der Strecke, wenn Strom erst zu Wasserstoff und wieder zurück zu Strom wird. Je nach Technik kann mehr als die Hälfte der Energie verloren gehen. Deshalb ist Wasserstoff keine alleinige Lösung, sondern eine smarte Ergänzung zum Strommix.
Der Gesamtwirkungsgrad liegt laut Greenspotting bei nur 40 bis 50 %. Das heißt: Um 1 kWh Strom zurückzugewinnen, braucht es etwa 2 kWh Ökostrom aus erneuerbaren Energien für die Elektrolyse. Der Verlust macht sich auch im Preis bemerkbar. Power-to-Gas und Rückverstromung sind also keine Alltagslösung, aber Wasserstoff hilft dabei Stromlücken zu füllen, sorgt für eine stabile Versorgung und glänzt als Langzeitspeicher.
Prozessschritt | Wirkungsgrad je nach Technik |
Elektrolyse (Strom → H₂) | 70 – 75 % |
Speicherung & Transport | - 5 – 15 % |
Rückverstromung (H₂ → Strom) | 40 – 60 % |
Stabile Stromversorgung mit Wasserstoff.
Grüner Wasserstoff kann als Energiespeicher dazu dienen, überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen aufzunehmen und bei Bedarf flexibel wieder abzugeben. Vor allem in Zeiten, in denen viel Sonne scheint oder viel Wind weht und der erzeugte Strom nicht verbraucht werden kann. Wohin mit dem überschüssigen Strom? In große Batteriespeicher? Das ist eine Möglichkeit, die aber allein nicht ausreicht. Hier kommt Wasserstoff ins Spiel: Er kann überschüssigen Strom speichern und Phasen mit niedriger Erzeugung aus erneuerbaren Energien überbrücken. Wasserstoff trägt so auch zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und gleicht Schwankungen in Angebot und Nachfrage aus.
Spitzenlastabdeckung: H₂ für ein stabiles Stromnetz.
Lastspitzen lassen sich mithilfe des gespeicherten Wasserstoffs einfach und zuverlässig abdecken. Sie treten vor allem dann auf, wenn der Stromverbrauch zu bestimmten Zeiten stark ansteigt – also zum Beispiel morgens, wenn viele Haushalte gleichzeitig mehrere Elektrogeräte, Licht und Heizung anschalten oder an heißen Tagen im Sommer, wenn viele Klimaanlagen gleichzeitig laufen. Lastspitzen wie diese können nicht immer mit erneuerbaren Energien aus Solar- und Windkraft abgedeckt werden, sodass der Einsatz von Wasserstoff hier besonders sinnvoll ist. Der Wasserstoff wird zurück verstromt und voilà: Das Stromnetz bleibt stabil und und die Versorgung gesichert.

Dunkelflauten überbrücken: Wasserstoff als Speicher.
Eine Dunkelflaute bezeichnet eine bestimmte Wetterlage, in der die Sonne nicht scheint und der Wind eine Verschnaufpause einlegt – ein typisches Winterphänomen. Dann sinkt die Produktion von Solar- und Windstrom erheblich. Eine genaue Definition dafür, wann ein Engpass dieser Art wirklich als Dunkelflaute gilt, gibt es allerdings nicht. Diese Engpässe werden zurzeit vor allem durch flexible konventionelle Kraftwerke ausgeglichen. Große Batteriespeicher übernehmen ebenfalls nach und nach diese Funktion. Gespeicherter Wasserstoff könnte in Zeiten von Dunkelflauten zusätzlich flexibel genutzt werden und als saisonaler Energiespeicher ohne fossile Verbrennung im Prozess dienen.
Fuel Switch: Wasserstoff statt fossiler Brennstoffe.
Wasserstoff kann fossile Energieträger Schritt für Schritt ablösen und damit richtig was bewegen. So lassen sich alte Kohlekraftwerke auf Gas umrüsten, die zunächst Erdgas und später Wasserstoff nutzen. Dieser „Fuel Switch“ sorgt direkt für weniger CO₂ Emissionen. In Deutschland deckt Strom laut Umweltbundesamt aktuell nur etwa 23,8 % des Energiebedarfs, inklusive Wärme, Verkehr und weiterer Anwendungen. Rund 80 % kommen noch aus Erdgas oder Öl. Genau hier kann grüner Wasserstoff einspringen und fossile Brennstoffe langfristig ersetzen. Der Vorteil: Das Kraftwerk bleibt bestehen, nur der Brennstoff ändert sich.
Strom aus erneuerbaren Energien – mit Yello.
Wer Strom aus erneuerbaren Energien nutzen möchte, sollte auf zertifizierten Ökostrom aus erneuerbaren Quellen setzen. Bei Yello ist jede Kilowattstunde Strom grün und hat einen Herkunftsnachweis. Dein Strommix? 10 % Solarstrom und 90 % Wasserkraft aus Europa. Klingt gut, oder?
Zu Hause heizen mit Wasserstoff?
Ja, Wasserstoff kann zu Hause zum Heizen genutzt werden. Dafür muss er in Wärme umgewandelt werden, etwa durch Verbrennung oder mit einer Brennstoffzelle.
Dein Strom aus der Steckdose wird durch Wasserstoff wohl nicht komplett neu erfunden, aber beim Heizen kann er eine Rolle spielen. Heute basiert laut Statista rund 56 % der Wärmeversorgung in Deutschland noch auf Erdgas. Das Problem: Erdgas verursacht CO₂-Emissionen. Wasserstoff kann hier die Alternative sein.
Verbrennung.
Der Wasserstoff kann wie Erdgas in einem Brennwertkessel verbrannt werden. Dabei entsteht Wärmeenergie. Diese Methode wird auch in H₂-ready-Heizungen genutzt: Das sind Erdgasheizungen, die mit wenigen Anpassungen später mit Wasserstoff laufen können.
Brennstoffzelle.
Eine Brennstoffzellen-Heizung erzeugt nicht nur Wärme, sondern auch Strom. Sie lässt sich in Häusern mit Erdgasanschluss einbauen – perspektivisch auch mit Wasserstoff betreiben. Noch ist die Technik teuer: Mit Anschaffungskosten von über 20.000 € bleibt sie für viele Haushalte vorerst Zukunftsmusik.

H2-ready-Heizungen: Das spricht dagegen.
Du hast eine Gasheizung? Dann könnte sie schon jetzt „H₂-ready“ sein – oder sich mit ein bisschen Aufwand so umrüsten lassen, dass sie einen kleinen Wasserstoff-Anteil im Erdgasgemisch nutzt. Die Idee: Irgendwann läuft deine Heizung komplett mit Wasserstoff.
Verbraucherschützer:innen und Forschende bleiben skeptisch. Eine Studie von Fraunhofer IEG und Greenpeace (2025) zeigt: Aktuelle H₂-ready-Modelle verarbeiten im laufenden Betrieb nur bis zu 20 % Wasserstoff. Seit 2026 bieten einzelne Hersteller Umrüstkits für 100 % Wasserstoff an. Die kannst du aber nur nutzen, wenn dein Gerät ab Baujahr Januar 2024 stammt. Und selbst dann lohnt sich die Umrüstung nur, wenn dein örtliches Gasnetz tatsächlich auf Wasserstoff umgestellt wird. Davon ist Deutschland noch weit entfernt.
Und dann die große Frage: Wird es überhaupt genug grünen Wasserstoff fürs Heizen geben? Die Chancen stehen eher schlecht. Die Bundesnetzagentur plant zwar ein Leitungsnetz – aber für Industrie und Großabnehmer. Für Wohngebiete existiert bisher gar kein Wasserstoffnetz. Sprich: Wer heute auf H₂-ready setzt, läuft Gefahr, in eine Kostenfalle zu tappen.
Umweltverbände wie BUND, DUH und WWF haben schon 2023 in einem Faktenpapier vor der Kostenfalle H₂-Ready gewarnt. Ihre Empfehlung: Wärmepumpe statt Warten auf Wasserstoff. Vor allem in Kombi mit einer PV-Anlage ist das aktuell die beste Lösung – dein eigener Solarstrom treibt die Heizung direkt an.
Wasserstoff in Deutschland: Status quo.
Deutschland hat sich ein großes Ziel gesteckt: Bis 2045 sollen es Netto-Null-Emissionen werden. Aus diesem Grund steht Wasserstoff im Rampenlicht – er soll zentrales Element der Energiewende werden und unsere Industrie nachhaltiger gestalten. Schon im Jahr 2020 hat die Bundesregierung ihre Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) auf den Weg gebracht und 2023 aktualisiert. Ab jetzt soll es schnell gehen: Das Ziel für die heimische Elektrolysekapazität soll bis 2030 auf mindestens 10 Gigawatt (GW) verdoppelt werden. Doch selbst die geplante 10 GW Elektrolyseleistung kann den vorhergesagten Wasserstoffbedarf in Deutschland nur zu etwa 30 bis 50 % decken.
Aktuell ist die Wasserstoffproduktion in Deutschland mit etwa 185 Megawatt im Jahr 2025 noch viel zu gering. Das ist eine erhebliche Lücke bis zum Ziel 2030. Projekte mit weiteren 1,1 GW sind zwar im Bau oder kurz davor, doch es hakt oft an der Finanzierung. Die geplanten Projekte laufen also eher schleppend. All das führt zu einer hohen Abhängigkeit von Importen, denn bereits 2030 könnten 50 bis 70 % des Gesamtbedarfs aus dem Ausland stammen.
So soll der Wasserstoff transportiert werden.
Der Wasserstoff muss natürlich von A nach B kommen – dafür wird das bestehende Erdgasnetz genutzt und neue Leitungen kommen dazu. Der Startschuss ist 2025 gefallen und bis 2032 soll das deutsche Wasserstoffkernnetz fertig sein. Es soll eine Länge von 9.040 km haben und damit das Größte in Europa werden. Die ersten Abschnitte entstehen bereits heute, um Produktionsstätten, Industriezentren, Speicher und Importkorridore miteinander zu verbinden.
Die Investitionskosten liegen laut Bundesnetzagentur bei 18,9 Mrd. €. 60 % des Netzes soll daher aus umgerüsteten Erdgasleitungen bestehen, während 40 % der Leitungen neu gebaut werden sollen. Im Rahmen des Programms „Flow – making hydrogen happen“ stellt das Unternehmen GASCADE bereits in diesem Jahr eine seiner Gasleitungen auf den Transport von Wasserstoff um. Der Abschnitt von Lubmin an der Ostsee nach Bobbau in Sachsen-Anhalt umfasst knapp 400 Kilometer.
Wasserstoff: Die Kosten im Überblick.
Wasserstoff für die Stromversorgung von Haushalten ist aktuell noch mit hohen Umwandlungsverlusten verbunden. Die Prozesskette „Strom → Wasserstoff → Strom“ (Power-to-Gas-to-Power) ist deutlich weniger effizient als der direkte Verbrauch von Ökostrom aus erneuerbaren Energien.
Was kostet grüner Wasserstoff heute und künftig?
Grüner Wasserstoff kostet dich in Deutschland heute 9,80 € pro Kilogramm, das sind rund 23 bis 29 Cent pro Kilowattstunde (Stand: Juli 2025). Laut Prognos AG könnten die Herstellungskosten bis 2030 auf etwa 12 Cent pro Kilowattstunde sinken – vorausgesetzt, die Strompreise fallen und Elektrolyseure werden günstiger. Der Bundesrechnungshof geht davon aus, dass grüner Wasserstoff auch im Jahr 2030 und darüber hinaus nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sein wird. Deshalb muss die Bundesregierung die Wasserstoffwirtschaft mittel- bis langfristig erheblich subventionieren.
Zukunft: Vom Kostentreiber zum Preisstabilisator?
Grüner Wasserstoff mag heute zwar noch teurer sein, hat aber ein unglaubliches Sparpotenzial. Dank Innovationen und Skaleneffekten könnten die Preise in den nächsten Jahren weiter sinken. Studien zeigen sogar: Wasserstoff könnte zukünftig sogar ein Preis-Stabilisator im Energiemarkt sein. Und nicht nur das: Als flexible Ergänzung zum Stromnetz springt er dann ein, wenn Sonne und Wind mal eine Pause machen.
Strom aus Wasserstoff – (noch) zu teuer für Haushalte.
Und wie viel kostet nun Strom, wenn er aus Wasserstoff erzeugt wird? Laut Fraunhofer ISE liegen die Kosten für Strom aus neuen Wasserstoffkraftwerken aktuell bei 40 bis 60 Cent pro Kilowattstunde. Das ist rund fünf- bis zehnmal mehr als bei Strom aus erneuerbaren Energien. Für private Haushalte macht „Strom aus Wasserstoff“ deshalb derzeit keinen Sinn – er wäre schlicht zu teuer.

Fazit: Wasserstoff und dein Strom.
Wasserstoff ist aus unserer Energiezukunft nicht mehr wegzudenken. Er ergänzt Energie, sorgt für stabile Netze und hilft, die Stromversorgung abzusichern, wenn Wind und Sonne Pause machen. Als Speicher, Energieträger und strategische Reserve gewinnt er im Strommix an Bedeutung – vor allem weil der Strombedarf weiter steigt.
Zwar kommt Wasserstoff nicht direkt aus deiner Steckdose, doch er kann künftig fossile Brennstoffe in Kraftwerken zur Stromerzeugung ersetzen. Schon heute sind viele Gaskraftwerke H₂-ready und können Schritt für Schritt auf Wasserstoff umgerüstet werden – ein echter Gamechanger für eine saubere Strom- und Wärmeerzeugung. Vorausgesetzt, der Wasserstoff ist grün.
Klar, aktuell ist Wasserstoff noch teuer und die Infrastruktur im Aufbau. Aber mit Forschung, Förderung und Importen sinken die Kosten – und sein Einsatz wird breiter möglich. Der Ausbau läuft bereits: Bis 2032 sollen über 9.000 Kilometer Wasserstoffleitungen durch Deutschland führen, teils über umgerüstete Erdgasnetze. Offshore-Windparks sollen Wasserstoff gleich vor Ort auf dem Meer erzeugen. Und unterirdische Gasspeicher sollen auch Wasserstoff aufnehmen können.
Unser Fazit: Für deinen Alltagsstrom bleibt direkter Ökostrom aus erneuerbaren Energien die beste Wahl. Doch grüner Wasserstoff kann unsere Energieversorgung flexibler und unabhängiger von fossilen Brennstoffen machen.
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