Netzentgelte für Strom: Was steckt dahinter?
Netzentgelte sind Teil deines Strompreises. Was dahintersteckt, wie sie sich zusammensetzen und warum manche weniger zahlen, erfährst du hier.
Rund ein Viertel deines Strompreises besteht aus Netzentgelten – der Mautgebühr für den Stromtransport direkt zu deiner Steckdose. Doch warum steigen diese Kosten durch die Energiewende an und was kommt von der staatlichen Entlastung beim Netzentgelt 2026 bei dir an? Wir bringen Licht ins Dunkel deiner Rechnung und zeigen dir, warum manche Haushalte mit Wallbox oder Wärmepumpe ganz einfach ihre Netzentgelte reduzieren und Kosten senken können.
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Das erwartet dich hier:
Was Netzentgelte sind und wofür du sie zahlst.
Netznutzungsentgelte, oder kurz Netzentgelte, sind die Gebühren, die Netzbetreiber für den Transport von Strom durch ihre Leitungen erheben. Damit der Strom aus dem Kraftwerk oder dem Windpark in deiner Steckdose landet, muss er oft weit durchs Land transportiert werden. Zuerst über die weiten Strom-Autobahnen (Übertragungsnetz) und danach über die feineren Leitungen in deiner Region (Verteilernetz) bis direkt zu dir nach Hause.
Für die Nutzung dieses gigantischen Stromnetzes wird eine Art Maut fällig. Wie hoch diese für dich persönlich ausfällt, kann sich je nach deinem lokalen Netzbetreiber jedoch stark unterscheiden. Mit diesen Einnahmen decken die Netzbetreiber die Kosten für den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende. Für dich ist das ganz unkompliziert, denn die Gebühr ist bereits in deinem Strompreis enthalten und wird automatisch über deinen monatlichen Abschlag abgebucht.
Staatlich kontrolliert und fair verteilt.
Wir als Stromanbieter haben auf diese Netzentgelte keinen Einfluss. Wir sammeln sie über deinen monatlichen Abschlag ein und reichen sie 1:1 an die zuständigen Netzbetreiber weiter. Da du dir das Stromnetz an deinem Wohnort nicht aussuchen kannst, gibt es strenge staatliche Kontrollen. Die Bundesnetzagentur prüft ganz genau, wie viel Geld für Netzausbau und Betrieb wirklich nötig ist, und legt eine feste Preisgrenze fest. Die Netzbetreiber können die Gebühren also nicht einfach beliebig festlegen.
Dein Anteil an den Netzentgelten 2026.
2026 liegen die Netzentgelte in Deutschland laut BDEW durchschnittlich bei 9,3 Cent pro kWh. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh bedeutet das reine Netzkosten von 372 € jährlich. Damit machen die Netzentgelte im Bundesdurchschnitt aktuell rund 25% deines gesamten Strompreises aus und sind – neben den Steuern, Abgaben und Umlagen sowie der Strombeschaffung – einer der größten Posten auf deiner Rechnung.
Haushalte zahlen besonders hohe Netzentgelte. Das liegt vor allem an dem langen Weg, den Strom durch alle Netzebenen fließen muss, bevor er in deiner Steckdose landet. Die Gebühren für die Netznutzung setzen sich aus zwei Bausteinen zusammen: einem festen Grundpreis für Netzanschluss und Stromzähler sowie einem Verbrauchspreis pro verbrauchter kWh. Das heißt: Je mehr Strom du verbrauchst, desto höher fallen deine Netzentgelte aus. Stromsparen lohnt sich also gleich doppelt!
Warum gibt es regionale Unterschiede?
Die Netzentgelte unterscheiden sich regional, weil die mehr als 800 Netzbetreiber in Deutschland unterschiedliche Kosten tragen. Wie hoch diese ausfallen, hängt unter anderem vom Netzausbau, der Struktur des Versorgungsgebiets und dem Modernisierungsbedarf der Stromnetze ab. Deshalb können die Netzentgelte je nach Wohnort deutlich variieren – ein echter Flickenteppich. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen:
Ausbau der Energiewende: Wo besonders viele Wind- und Solaranlagen entstehen, müssen die Stromnetze schneller ausgebaut werden.
Größe und Struktur des Netzgebiets: In ländlichen Regionen verteilen sich die Kosten auf weniger Haushalte als in dicht besiedelten Städten.
Alter der Stromnetze: Ältere Netze verursachen oft höhere Kosten für Wartung, Modernisierung und Erneuerung.
Die folgende Tabelle zeigt anhand einiger Beispiele, wie groß die Unterschiede sind:
Bundesland | Netzentgelt 2026 | Kosten im Jahr |
|---|---|---|
Die Teuersten | ||
Hamburg | 11,8 ct/kWh | 472 € |
Rheinland-Pfalz | 10,1 ct/kWh | 403 € |
Baden-Württemberg | 9,9 ct/kWh | 395 € |
Der Durchschnitt | ||
Deutschland gesamt | 9,3 ct/kWh | 372 € |
Die Günstigsten | ||
Brandenburg | 8,0 ct/kWh | 319 € |
Bremen | 7,5 ct/kWh | 298 € |
Mecklenburg-Vorpommern | 7,2 ct/kWh | 289 € |
Quelle: Durchschnittliche Werte bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh, Verivox Januar 2026
Bislang zahlten vor allem die Vorreiter-Regionen, die viel in Wind- und Solarausbau investierten, auch die höchsten Netzentgelte. Ab 2026 sind die Kosten für den Ausbau der Energiewende gerechter verteilt. Eine Reform der Bundesnetzagentur sorgt dafür, dass Regionen mit besonders hohen Netzausbaukosten entlastet werden. Davon profitieren vor allem Bundesländer mit viel Windenergie. Gleichzeitig beteiligen sich Regionen mit bislang niedrigeren Netzkosten künftig stärker am bundesweiten Ausbau. Insgesamt profitieren jedoch auch dort viele Haushalte von sinkenden Netzentgelten.
So findest du dein Netzentgelt heraus.
Deinen zuständigen Netzbetreiber und die genauen Netzkosten findest du direkt auf deiner Stromrechnung. Such dort nach Begriffen wie „Netznutzungsentgelt“, „Netzbetreiber“ oder „Messstellenbetreiber“. Meistens gibt es einen Abschnitt "Zusammensetzung der Verbrauchskosten" oder wie bei Yello "Diese Kosten führt Yello für dich ab". Manchmal ist allerdings anstelle des Namens des Netzbetreibers nur ein Code abgedruckt. Den echten Namen findest du über offizielle Datenbanken wie die BDEW-Codessuche oder die Bundesnetzagentur heraus.
Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, ihre Preise öffentlich zugänglich zu machen, und teilen die Preisblätter für Netzentgelte auf ihrer Webseite. Eine Erklärung mit Kartenansichten bietet außerdem die Bundesnetzagentur.

Warum Netzentgelte langfristig steigen.
Strom aus Wind und Sonne wird immer günstiger – der Weg zu deiner Steckdose wird dagegen teurer. Denn unser Stromnetz wurde für eine andere Welt gebaut. Früher erzeugten wenige große Kraftwerke den Strom zentral. Heute produzieren wir Windstrom vor allem im Norden und Solarstrom oft im Süden. Unser Strommix wird also immer "grüner", doch die Energiewende erfordert den Ausbau und die Digitalisierung des Stromnetzes. Das lässt die Kosten zunächst steigen. Wie bei der Sanierung eines alten Hauses: In der Bauphase investierst du, sparst aber später langfristig.
Der Netzausbau ist ein echtes Mammutprojekt.
Der Ausbau der deutschen Übertragungsnetze kostet laut Netzentwicklungsplan (NEP) bis 2045 rund 365 bis 392 Mrd. €. Einer der Hauptgründe, warum die Netzentgelte langfristig steigen, denn diese Investitionen zahlen alle, die Strom aus dem Netz beziehen. Bis heute fehlen Leitungen, die Strom aus erneuerbaren Energien quer durch Deutschland transportieren.
An windreichen Tagen erzeugt der Norden mehr Strom, als die vorhandenen Leitungen Richtung Süden transportieren können. Damit das Netz nicht überlastet wird, drosseln die Netzbetreiber dann Windräder – und lassen die fehlende Menge von Kraftwerken anderswo nachliefern. Dieser Eingriff heißt Redispatch und verursacht Kosten, die zusätzlich zum Netzausbau anfallen. Je schneller die neuen Leitungen stehen, desto seltener wird das nötig.

Smarte Technik für dein lokales Verteilnetz.
Doch nicht nur die großen Übertragungsnetze werden modernisiert. Auch direkt vor deiner Haustür verändert sich vieles. Immer mehr Wärmepumpen, Wallboxen und Solaranlagen stellen neue Anforderungen an die Verteilnetze. Deshalb investieren auch die Verteilernetzbetreiber vor Ort zunehmend in digitale Technik. Intelligente Stromnetze, sogenannte Smart Grids, managen Stromerzeugung und Verbrauch in Echtzeit. So lassen sich Lasten besser verteilen und Engpässe vermeiden.
Eine wichtige Rolle dabei spielen Smart Meter und dynamische Stromtarife. Sie ermöglichen, dass dein E-Auto dann lädt oder deine Wärmepumpe läuft, wenn besonders viel günstiger Wind- oder Solarstrom verfügbar ist. Das entlastet das Stromnetz und kann den Bedarf an zusätzlichem Netzausbau verringern.

Die Reduzierung der Netzentgelte 2026.
Die Bundesregierung entlastet private Haushalte im Jahr 2026 bei den Energiekosten mit einem Zuschuss von 6,5 Mrd. € an die Betreiber der großen Übertragungsnetze. Dadurch sollen die gestiegenen Netzkosten für dich spürbar abgefedert werden. Auf dem Papier sinken die Netzentgelte dadurch im bundesweiten Durchschnitt um rund 15 %. Ursprünglich wurde angestrebt, dass Haushalte mit einem Stromverbrauch von 3.500 kWh im Jahr durch die Maßnahme rund 100 € pro Jahr sparen.
Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale aus dem Frühjahr 2026 macht jedoch deutlich: Bei vielen Haushalten kommt von dieser auf dem Papier erhofften Ersparnis in der Realität nur sehr wenig an. Demnach sparen Haushalte im Schnitt nur knapp 56 € bei den Netzentgelten. Wie viel genau, hängt von deinem Wohnort ab. Hier schließt sich der Kreis zu den regionalen Unterschieden. In den bisherigen Vorreiter-Regionen für Windkraft wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern sinken die Netzentgelte spürbar. Hier kommt die Entlastung an. Im Westen, etwa in NRW oder Hessen, fällt die Ersparnis dagegen sehr gering aus, weil diese Bundesländer nun stärker an den nationalen Netzausbau-Kosten beteiligt werden.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die staatlichen Milliarden fließen an die großen, überregionalen Strom-Autobahnen. Wenn aber dein lokaler Netzbetreiber gleichzeitig die Preise für den Ausbau direkt vor Ort etwa für smarte Ortsnetze anhebt, schmilzt die staatliche Entlastung für dich oft direkt wieder dahin. Verbraucherschützer:innen fordern deshalb schon länger simplere Lösungen wie eine Senkung der Stromsteuer, die jedem Haushalt ortsunabhängig helfen würde.
Weniger Netzentgelt für Wärmepumpe & Wallbox.
Du nutzt zu Hause eine Wärmepumpe, eine Wallbox, eine Klimaanlage oder einen Stromspeicher? Dann kannst du von reduzierten Netzentgelten profitieren! Das ist kein Rabatt, den du extra beantragen musst, sondern ein gesetzlich geregelter Anspruch, der im § 14a im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) geregelt ist.
Das Prinzip geht so: Dein Netzbetreiber darf dein Gerät bei eventuellen Netzengpässen kurzzeitig drosseln. Davon merkst du im Alltag aber meist nichts: Dein E-Auto ist morgens trotzdem voll geladen und die Wohnung bleibt warm. Im Gegenzug zu dieser Steuermöglichkeit, zahlst du nur ein reduziertes Netzentgelt.
3 Modelle für das reduzierte Netzentgelt.
Modul 1 - pauschale Reduktion: Du erhältst eine pauschale Reduzierung zwischen 110 und 190 € im Jahr, je nach Netzbetreiber, Diese ist vom Verbrauch unabhängig und funktioniert mit einem normalen Tarif für Haushaltsstrom.
Modul 2 - prozentuale Reduktion: Dein Netzentgelt wird auf 40 % reduziert. Dieses Modell lohnt sich vor allem für hohe Verbräuche mit Wärmepumpe und oder E-Auto. Aber: du brauchst dafür einen speziellen Stromtarif und einen zweiten Zähler.
Modul 3 - zeitvariable Entgelte: Dein Netzbetreiber legt unterschiedliche Preisstufen für das Netzentgelt im Tagesverlauf fest. Verbrauchst du Strom vorwiegend in günstigen Stunden, sparst du. Voraussetzung ist ein Smart Meter. Mit Modul 1 kombinierbar.

Kurze Checkliste für deine Netzentgelte.
Da Netznutzungsentgelte gesetzlich reguliert sind, kannst du sie nicht einfach wegverhandeln. Aber du bist den steigenden Kosten trotzdem nicht hilflos ausgeliefert. Mit dieser Checkliste kannst du deine Gesamtrechnung spürbar entlasten:
Steuerbare Geräte anmelden. Wenn du eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder einen Heimspeicher nutzt, hast du nach § 14a EnWG Anspruch auf ein reduziertes Netzentgelt, wenn das Gerät durch den Netzbetreiber steuerbar ist. Viele Haushalte lassen diesen Vorteil noch ungenutzt liegen. Melde deine Geräte also beim Netzbetreiber an und sichere dir die Ersparnis von 190 € und mehr im Jahr!
Verbrauch in günstige Zeiten verlagern. Hast du ein Smart Meter, kannst du mit zeitvariablen Netzentgelten sparen. Und zwar so: Du lädst dein E-Auto oder heizt mit der Wärmepumpe genau dann, wenn viel Strom aus Sonne und Wind vorhanden ist und das Netzentgelt niedrig ist. Mit einer einfachen Timer-Funktion oder einem Heim-Energie-Management-System (HEMS) läuft das sogar völlig automatisch ab.
Beim Stromtarif sparen. Dass du die Netzentgelte kaum beeinflussen kannst, heißt nicht, dass deine Stromrechnung in Stein gemeißelt ist. Viele Haushalte stecken noch in der teuren Grundversorgung fest – mit aktuell rund 35 Cent bei 3.500 kWh. Günstige Neukundentarife starten zum Teil schon bei 24 Cent pro kWh. Bei einem Verbrauch von 3.500 kWh macht das einen Preisunterschied von 385 € im Jahr aus. Ein Wechsel des Stromanbieters kann die hohen Netzkosten also deutlich abfedern.
Unabhängig werden mit eigenem Solarstrom. Die goldene Regel lautet: Für Strom, der gar nicht erst durch das öffentliche Netz fließt, zahlst du auch keine „Netz-Maut“. Jede selbst erzeugte und verbrauchte kWh deiner Solaranlage spart also bares Geld. Zudem gilt: Beziehst du für deinen steuerbaren PV-Heimspeicher doch einmal Strom aus dem Netz, profitierst du auch hier von den reduzierten Netzentgelten.
Netzentgelte für Solaranlagen? Beim Thema Sonnensteuer gibt es aktuell in einem Diskussionspapier der Bundesnetzagentur erste theoretische Überlegungen, künftig auch Solarfans an den Netzausbaukosten zu beteiligen, wenn sie Strom einspeisen. Beschlossen ist dazu aber noch nichts. Dein selbst genutzter Strom bleibt ohnehin dein bester Schutz vor steigenden Kosten.
Fazit: Du hast das Steuer selbst in der Hand!
Netzentgelte machen ein Viertel deines Strompreises aus und der Umbau unseres Stromnetzes für die Energiewende erfordert zusätzliche Investitionen. Da die Netzgebühren staatlich reguliert sind, können weder dein Stromanbieter noch du als Verbraucher:in sie direkt beeinflussen.
Trotzdem gibt es Möglichkeiten, wie du deine eigene Stromrechnung besser steuern kannst. Netzentgelte sind zwar ein fixer Kostenblock, doch für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe oder E-Auto gelten reduzierte Netzentgelte. Je nach Modell erfolgt die Entlastung pauschal oder prozentual. Zusätzliche Einsparungen sind möglich, wenn du Strom gezielt zu Zeiten mit niedrigeren Netzentgelten nutzt. Voraussetzung dafür ist ein Smart Meter.
Auch eigener Solarstrom, ein passender Stromtarif und Stromsparen helfen dir dabei, deine Kosten clever zu optimieren.
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